Erfahrungsbericht Garmin Varia

Früher hätte ich mir unter gar (!) keinen Umständen ein Rücklicht montiert, denn so etwas hatte meiner Meinung nach auf einem High-Tech Renner absolut nichts verloren. Wir waren schließlich locker in der Lage auch rechts von der Außen-Sperrlinie sicher zu navigieren und das nur wenige Zentimeter vom Hinterrad des Vordermanns entfernt.

Ein paar Jahre später hat sich meine Meinung dazu komplett geändert und ich fahre inzwischen ausschließlich mit Rücklicht. 

Leider ist mittlerweile auch der Verkehr und die Risikobereitschaft der Autofahrer signifikant gegenüber früher gestiegen. Somit ist es inzwischen keine Seltenheit mehr, dass man mit <0,5m Abstand, zT auch nur mit wenigen Zentimetern, überholt wird. Um eine Idee davon zu bekommen, wie sich das anfühlt, empfehle ich, dass man sich auf einen Bahnsteig stellt, wenn ein Zug durch den Bahnhof durchfährt.

Diesen Sommer beschloss ich die vielfach beworbene & gepriesene Garmin Varia™ RCT715 an meinem Rennrad und Gravelbike auszuprobieren (Anm.: ich habe mir dieses Gerät selbst gekauft und erhalte keinerlei Provision od. ähnliches für die Berichterstattung).

Meine Hauptgründe dafür waren:

  • Integriertes Rücklicht
  • Radargerät, das mich auf ein herannahendes Fahrzeug aufmerksam macht
  • Kamerafunktion

Die Installation und auch die Verwendung auf verschiedenen Rädern ist problemlos, das Gewicht und die Größe ist für Trainingsfahrten meiner Meinung nach vernachlässigbar und das Rücklicht sorgt mit ca. 20 Lumen für eine sehr gute Sichtbarkeit.  

Der Preis ist mit 399€ definitiv kein Schnäppchen, jedoch bei einem High-End Rennrad ehrlich gesagt zu vernachlässigen (Anm.: ohne Kamerafunktion 199€).

Völlig überrascht hat mich der Radar, denn dieser kann selbst 4-5 Fahrzeuge zuverlässig orten, die sich in einer Distanz von bis zu 140 Metern von hinten nähern. Wenn sich ein ein- oder mehrspuriges Objekt von hinten nähert, verfärbt sich zudem der Bildschirm der Garmin Uhr an den Rändern und es wird die Distanzleiste eingeblendet. Zusätzlich ertönt ein akustischer Alarm und die Uhr vibriert, d.h. man wird nicht mehr überrascht von einem Überholvorgang (zukünftig auch speziell interessant bei relativ leisen Elektrofahrzeugen) – es handelt sich somit um einen perfekten digitalen Rückspiegel !

Ein tolles Feature ist auch, dass man einstellen kann, dass das Rücklicht im Fall eines herannahenden Fahrzeugs zu blinken beginnt – d.h. der / die FahrzeuglenkerIn sieht, dass das Rücklicht offensichtlich auf ihn / sie reagiert. Ich habe das zugegeben subjektive Gefühl, dass ich seitdem nur noch äusserst selten knapp überholt werde und die AutofahrerInnen zudem generell eher defensiver fahren / überholen.

Die Kamerafunktion ist der eigentliche Star, denn es werden alle Überholvorgänge aufgezeichnet auf einer 16MB Speicherkarte (1080 bzw. 720p/30fps). Die Kamera ist nicht mit einer „GoPro“ vergleichbar, ist aber völlig ausreichend um die Nummerntafel, als auch die exakte Location vom Rad und dem überholenden Fahrzeug festzustellen.

Kurzum – ein top Gerät, das ich für Rennräder und Gravelbikes uneingeschränkt empfehlen kann ! Am MTB würde ich es persönlich eher nicht einsetzen, denn die Halterung ist zwar äußerst stabil, aber auf MTB-Trails hätte ich so meine Bedenken. 

Alois Kronthaler